1.8.2019 – Thierry Neuville im Interview

1.8.2019 München. Wenn es nach den Fan-Zahlen geht, ist Thierry Neuville seit Jahren der unangefochtene Champion der ADAC Rallye Deutschland. Kein anderer WRC-Profi wird hierzulande von so vielen Menschen an der Strecke angefeuert wie der 31-Jährige aus St. Vith im deutschsprachigen Teil von Belgien.

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Sein sportlicher Durchbruch gelang ihm 2014, als er den deutschen WM-Lauf gewann und zu den Topstars des Rallye-Sports aufstieg. Auch in diesem Jahr, wenn die ADAC Rallye Deutschland vom 22. bis 25. August stattfindet, zählt der Publikumsliebling zu den Favoriten. Als „Aufwärmprogramm“ wird Neuville am Wochenende zuvor mit einem Hyundai i30 N TCR einen VIP-Gaststart in der ADAC TCR Germany im Rahmen des ADAC GT Masters auf dem Nürburgring absolvieren. Im Interview erläutert der Belgier, was er an der ADAC Rallye Deutschland so schätzt.

Herr Neuville, was ist Ihr erster Gedanke, wenn Sie an die ADAC Rallye Deutschland denken?

Heim-Rallye – denn das ist die ADAC Rallye Deutschland für mich. Von St. Vith sind es nur 80 Kilometer bis in die Rallye-Region. Es kommen immer sehr viele Fans aus Belgien, um uns zu unterstützen. Es ist eine Rallye, die ich schon immer sehr gemocht habe, bei der ich immer sehr schnell war und fast jedes Jahr mit um das Podium gekämpft habe. Außerdem ist es die Rallye, bei der ich meinen ersten WM-Sieg einfahren konnte. Das sind schöne Erinnerungen. Ich mag die Weinberge. Die Region ist wunderschön – vor allem, wenn die Sonne scheint. Die Atmosphäre finde ich super. Viele Zuschauer, schöne Prüfungen, Baumholder, Panzerplatte – das sind meine ersten Gedanken.

Was gefällt Ihnen an dieser Rallye besonders gut?

Die Rallye ist sehr anspruchsvoll. Da sind die Wertungsprüfungen in den Mosel-Weinbergen und die im Saarland, die sich stark voneinander unterscheiden. Und dann gibt es da natürlich die berühmt-berüchtigte Panzerplatte, wo man durch das Militärgelände brettert. Das ist etwas ganz Besonderes, was es nur bei der ADAC Rallye Deutschland gibt. Das macht riesigen Spaß!

Der Titelkampf in der WRC ist so eng wie lange nicht. Was ist in dieser Situation bei der ADAC Rallye Deutschland der richtige Mix aus Attacke und Ankommen?

Bei der ADAC Rallye Deutschland muss man von Beginn an angreifen. Man kann hier nicht „auf Ankommen“ fahren. Das ist wie ein Sprint-Event für uns. Bis auf die lange Panzerplatten-WP sind die Strecken meist relativ kurz. Da muss man wirklich voll attackieren. Auch wenn es immer wieder neue Elemente und Varianten gibt, kennen die meisten Top-Fahrer die Strecken sehr gut und sind sie über die Jahre hinweg auch schon in verschiedenen Richtungen gefahren. Das heißt, man kann sehr nah ans Limit gehen. Und das muss man auch, wenn man hier vorne mitfahren möchte.

Die Powerstage der ADAC Rallye Deutschland wird dieses Jahr in den Weinbergen stattfinden. Was bedeutet das Ihrer Meinung nach für die Spannung?

Vergangenes Jahr waren wir am Schlusstag auch schon in den Weinbergen. Dass jetzt auch die Powerstage dort stattfindet, wird sicher eine Challenge. Die Weinberge sind schwierig. Man kann sich schnell einmal vertun bei einer Abzweigung. Die Straßen sind eng und für uns Fahrer ist die Sicht verhältnismäßig gering, da es die ganze Zeit rechts-links geht und die Weinberge den Blickwinkel einschränken.

Welche Wertungsprüfung empfehlen Sie den Fans? Was wäre Ihr Tipp zum Zuschauen?

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Am Samstag ist der Truppenübungsplatz Baumholder ein Muss. Hier kann man die Fahrzeuge mehrmals sehen. Außerdem gibt es da immer ein größeres Rahmenprogramm und man kann ziemlich viel Drumherum erleben. Eine gute Show, tolle Stimmung und viele Leute. Wenn dann auch noch die Sonne scheint, ist es einfach nur herrlich für die Zuschauer. Auch von meinen Freunden und meiner Familie bekomme ich immer wieder das Feedback, dass Baumholder ein Highlight ist. Am Freitag und auch am Sonntag sind sicher die Weinbergprüfungen am interessantesten.

Wenn bei der ADAC Rallye Deutschland ein Fan ein Selfie mit Ihnen machen möchte, wo und wie hat er die besten Chancen?

Mein Tipp wäre tatsächlich zwischen den Wertungsprüfungen. Also wenn wir anhalten, um Reifen zu wechseln, oder bei einem Regrouping. Das sind die Momente, in denen die Zuschauer sehr nah an uns rankommen. Wir haben da zwar auch nicht viel Zeit, aber hier profitieren die Fans am meisten. Im Servicepark sind wir meistens sehr beschäftigt, um mit den Ingenieuren das Setup für den Nachmittag oder für den nächsten Tag zu besprechen.

Sie sind vor einigen Wochen Vater geworden. Gibt Ihnen das einen extra Schub Motivation für Ihre „Heim-Rallye“?

Meine Motivation ist immer da. Und auch der Wille, es so gut wie möglich zu machen. Aber es stimmt: Vater zu sein – das ist ein neuer Lebensabschnitt, der nun für mich begonnen hat. Aber ich glaube, das können wir ganz gut managen. Es sollte eigentlich nur besser werden. Ich fahre deswegen auf jeden Fall nicht defensiver.

Wo wird Ihre Familie die ADAC Rallye Deutschland verfolgen?

Ja, meine Familie wird kommen und bei der Rallye zuschauen. Sie sind dann meistens mit dem Fanclub unterwegs. Generell sieht man sich während so eines WRC-Events aber kaum, da gibt es für mich einfach zu viel zu tun. Aber danach ist es natürlich sehr schön, dass ich wieder schnell bei der Familie sein kann.

Am Wochenende vor der ADAC Rallye Deutschland treten Sie mit einem Hyundai i30 N TCR als Gaststarter in der ADAC TCR Germany an. Wie unterscheiden sich WRC- und TCR-Fahrzeug?

Der Tourenwagen ist deutlich näher am Serienauto als das World Rally Car, das viel extremer ist. Aber beide Fahrzeuge machen sehr viel Spaß und sind Gewinnerfahrzeuge in ihren Kategorien. Das WRC hat Allradantrieb mit einem verstellbaren Mitteldifferenzial, rund 400 PS und eine speziellere Aerodynamik, während der Hyundai i30 N TCR weniger Leistung hat und ein Fronttriebler ist. Außerdem ist das Rallye-Auto darauf ausgelegt, auf den unterschiedlichsten Belägen schnell zu sein – egal ob Schotter, Schnee oder Asphalt. Daher ist es ganz anders konzipiert als das Rundstreckenauto.

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