ADAC Formel 4: Halbzeitmeister 2015 Joel Eriksson im Interview

8.7.2015.
Joel, du bist der erste Halbzeitmeister in der Geschichte der ADAC Formel 4. Was bedeutet dir das?

WERBUNG:

Ich bin wirklich glücklich. Es ist ein unglaubliches Gefühl, nach der ersten Saisonhälfte an der Spitze der Meisterschaft zu stehen. Es ist das erste Jahr der ADAC Formel 4 und ich hoffe wirklich, am Ende der Saison Geschichte zu schreiben und nach der Halbzeitmeisterschaft auch den Titel zu gewinnen.

Du warst 2014 bereits im ADAC Formel Masters, der Vorgängerserie der ADAC Formel 4, am Start. Wo siehst du im Vergleich zum Vorjahr deine größten Verbesserungen?

Meine Zeiten sind deutlich stabiler geworden. Es gibt selten Ausreißer nach oben oder unten, sondern ich fahre konstant auf einem guten Level. Ich sehe auch klare Fortschritte bei meinen Überholmanövern. Sie sind effektiver geworden, gleichzeitig achte ich immer darauf, keine zu großen Risiken einzugehen. In einer so engen Rennserie wie der ADAC Formel 4 ist es wichtig, konstant zu punkten, um am Ende eine Chance auf die Meisterschaft zu haben. Ich bin viel ruhiger geworden und stecke zurück, wenn ich einen Konkurrenten nicht sicher überholen kann.

In der bisherigen Saison sind dir fünf Siege gelungen. Gibt es einen, der dir besonders viel bedeutet?

Mein erster Sieg auf dem Red Bull Ring. Ich erkämpfte mir die Pole Position und setzte sie perfekt um. Der erste Erfolg in einer neuen Saison ist immer unglaublich. Du beweist dir selbst und allen anderen, dass du nichts verlernt hast und ein Siegertyp bist. Wie bereits im vergangenen Jahr war der Wendepunkt meiner Saison das Wochenende auf dem Red Bull Ring. Mein Vorteil: In diesem Jahr war es bereits die zweite Saisonstation und ich reiste als Meisterschaftsführender ab.

Hättest du vor der Saison damit gerechnet, einer der Titelkandidaten zu sein?

Ich hatte erwartet, konstant unter die besten Drei zu fahren. Von fünf Siegen in zwölf Rennen hätte ich bei einem so starken Feld aber nicht zu träumen gewagt. Schon während der Wintertestfahrten konnte ich an meinen Rundenzeiten sehen, dass ich schnell und konkurrenzfähig bin. Es gehört aber deutlich mehr zum Motorsport und deshalb bin ich glücklich, dass bisher alles so gut aufgegangen ist.

WERBUNG:

Dazu ist auch das richtige Team wichtig. Du bist bereits 2014 zusammen mit Motopark im ADAC Formel Masters an den Start gegangen. Wie wichtig ist dir eine gute Atmosphäre teamintern?

Ein gutes Gefühl innerhalb des Teams ist sehr wichtig und genau das habe ich bei Motopark gefunden. Ich vertraue meinem Team zu 110 Prozent. Wenn ich um Veränderungen an meinem Auto bitte, werden sie exakt nach meinen Vorstellungen ausgeführt. Ich kann mich immer auf sie verlassen und andersherum ist es genauso. Motopark ist wie eine Familie für mich.

Apropos Familie: Dein Bruder Jimmy fuhr früher ebenfalls für Motopark. Redet ihr auch mal über etwas anderes als Motorsport?

Motorsport ist ein gewisser Lifestyle und bei uns zuhause wird kaum über etwas anderes gesprochen. Die Meinung meines Bruders ist mir sehr wichtig. Wir telefonieren nach jedem Rennen – egal, ob er oder ich hinter dem Steuer gesessen hat. Er ist sehr stolz auf meine Leistung und umgekehrt ist es genauso. Wir unterstützen uns seit Kartzeiten gegenseitig und haben einen großen Traum: Wir wollen eines Tages zusammen in einer Serie an den Start gehen. Ich bin sicher, dass wir niemals aufhören würden, uns gegenseitig zu helfen und uns zu unterstützen.

Bevor du vom 14. bis 16. August auf dem Nürburgring deine Meisterschaftsführung verteidigen kannst, steht zunächst die Sommerpause auf dem Programm. Hast du etwas Spezielles geplant?

Der Fokus liegt vor allem auf dem Training. Ich muss für die zweite Saisonhälfte topfit sein und daran werde ich hart arbeiten. Im Sommer gehe ich auf den schwedischen Seen sehr gerne Jetski fahren. Die Wassertemperatur liegt zwar nur bei rund 16 Grad, nach der sportlichen Anstrengung ist diese Abkühlung aber genau richtig. Nebenbei werde ich auch an meinen Autos schrauben. Ich habe in meiner Garage drei alte Volvos stehen und aktuell repariere ich einen der Turbo-Motoren mit dem Ziel, mehr Leistung zu generieren. Dieses Wissen ist auch im Motorsport von Vorteil. Ich verstehe die technische Seite und kann manche Dinge vielleicht besser erklären – wobei die Parallelen zwischen einem Volvo und einem ADAC Formel 4-Boliden nicht gerade groß sind…

Was sind deine langfristigen Ziele im Motorsport?

Ich möchte eines Tages in der Formel 1 fahren und halte an diesem Ziel fest. Als nächsten Schritt hoffe ich auf den Aufstieg in die GP3 oder die FIA Formel-3-Europameisterschaft. Beide Serien haben ihre Vorzüge. Die GP3 fährt im Umfeld des Formel-1-Zirkus, die Formel 3 bietet hingegen eine große Anzahl an Rennen. Bezogen auf die Rennerfahrung wäre sie meine erste Wahl. Letztlich geht es aber in allen Serien um das Gleiche: Die Ergebnisse müssen stimmen und es gilt, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Dann ist alles möglich.

WERBUNG: