FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft 2017 auf dem Nürburgring

14.7.2017. Das Porsche LMP Team kommt als Le-Mans-Sieger und Tabellenführer in der FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft zum Heimrennen auf dem Nürburgring am 16. Juli. Das Porsche GT Team setzt auf dem Traditionskurs in der Eifel zwei neue 911 RSR in der Klasse GTE-Pro ein.

LMP-Team

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„Etwas Schöneres gibt es kaum“, freut sich Fritz Enzinger, der Leiter LMP1. „Die 24 Stunden in Le Mans waren Langstreckensport mit allen Höhen und Tiefen. In der Eifel wollen wir ein blitzsauberes Sechsstundenrennen fahren und am liebsten auch hier nach 2015 und 2016 zum dritten Mal in Folge gewinnen. Unser neues Aerodynamik-Paket für hohen Abtrieb hat beim Test gut funktioniert. Jetzt geht der Kampf um die Verteidigung unserer Weltmeistertitel für Hersteller und Fahrer richtig los.“

Nach drei von neun Läufen zur FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) und doppelter Punktvergabe in Le Mans führt Porsche in der Herstellerwertung mit 111 Punkten vor Toyota (78,5). In der Fahrer-WM liegen die Le-Mans-Sieger Earl Bamber (NZ), Timo Bernhard (DE) und Brendon Hartley (NZ) mit 83 Punkten und einem Vorsprung von 17 Zählern auf das bestplatzierte Toyota-Trio an der Spitze. Der amtierende Weltmeister Neel Jani (CH) und seine Partner André Lotterer (DE) und Nick Tandy (GB) waren in Le Mans nach einer mehr als zehn Stunden währenden Führung ausgefallen und belegen derzeit mit 28 Punkten den fünften WM-Platz.

Mehr Abtrieb für den Porsche 919 Hybrid

Porsche hat sich mit dem zweiten der beiden per Reglement zugelassenen Aerodynamik-Pakete für die Saison 2017 Zeit gelassen. Zunächst lag der Fokus klar auf minimalem Luftwiderstand für den Hochgeschwindigkeitskurs von Le Mans. Ab dem vierten WM-Lauf produziert der Porsche 919 Hybrid nun dank seines neuen Karosseriekleides deutlich mehr Anpressdruck. Das sorgt vor allem für höhere Kurvengeschwindigkeiten.

919 Hybrid, FIA WEC, 24-Stunden-Rennen, Le Mans, 2017, Porsche AG

919 Hybrid, FIA WEC, 24-Stunden-Rennen, Le Mans, 2017, Porsche AG

Insgesamt erfuhr der Porsche 919 Hybrid für die WM 2017 Neuentwicklungen im Umfang von 60 bis 70 Prozent des Gesamtfahrzeugs. Das Antriebsprinzip des innovativen Hybrid-Rennwagens wurde beibehalten: Der 919 Hybrid entwickelt rund 900 PS (662 kW) Systemleistung aus einem kompakten Zweiliter-V4-Turbobenziner (knapp 500 PS/368 kW) in Kombination mit zwei verschiedenen Rückgewinnungssystemen – Bremsenergie von der Vorderachse und Abgasenergie. Während der Verbrenner die Hinterachse antreibt, wirkt beim Boosten ein E-Motor mit über 400 PS (294 kW) an der Vorderachse. Als Zwischenspeicher für den aus Brems- und Abgasenergie gewonnenen elektrischen Strom dient eine flüssigkeitsgekühlte Lithium-Ionen-Batterie.

Das Porsche LMP Team vor dem Rennen auf dem Nürburgring

Andreas Seidl, Teamchef: „Für die WM 2017 haben sowohl wir als auch Toyota die Grenze des technisch Machbaren erneut hinausgeschoben. Das zeigt sich einerseits an den Rundenzeiten, die trotz umfangreicher Einschränkungen durch das Reglement gesunken sind. Andererseits lässt sich auch an den Standfestigkeitsproblemen von beiden Herstellern in Le Mans ablesen, dass wir alle ans Limit gegangen sind. Für das Team ging es nach dem Erfolg in Le Mans direkt mit einem sehr positiven dreitägigen Performance-Test in Barcelona weiter. Wir fühlen uns für das Sechsstundenrennen am Nürburgring gut gerüstet. Dort tritt der 919 Hybrid mit einem neuen Gesicht und einer stark veränderten Heckpartie an: Unser neues High-Downforce-Aerodynamikpaket sieht gut aus; jetzt muss es sich auf der Rennstrecke beweisen.“

GT-Team

Das Sechsstundenrennen auf dem Nürburgring ist die letzte Europa-Station der Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC. Danach stehen noch fünf Überseerennen in Mexico, den USA, Japan, China und Bahrain im Kalender. Das Porsche GT Team setzt auf dem Traditionskurs in der Eifel zwei neue 911 RSR in der Klasse GTE-Pro ein, in der sich fünf Automobilhersteller den härtesten Kampf um Siege und Punkte in der WEC liefern. Durch die „Balance of Performance“, die Fahrzeuge mit verschiedenen Konzepten auf dasselbe Performanceniveau bringen soll, erleben die Fans mitreißende Positionskämpfe und vom Start bis zum Ziel spannende Rennen. Der 911 RSR wurde bei Porsche Motorsport in Weissach komplett neu entwickelt und basiert auf der siebten Generation der Sportwagenikone 911. Er ist mit einem dritten Platz in Silverstone erfolgreich in seine erste Rennsaison gestartet. Beim 24-Stunden-Klassiker in Le Mans hat er zuletzt nach einer starken Vorstellung und langer Führung als Vierter nur knapp das Siegertreppchen verpasst.

Die Porsche-Fahrer

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Für das Porsche GT Team sind vier Werksfahrer im Einsatz: Richard Lietz (Österreich) und Frédéric Makowiecki (Frankreich) wechseln sich in der Klasse GTE-Pro im Cockpit des 911 RSR mit der Startnummer 91 ab. Sie sind mit einem dritten Platz in Silverstone in die Saison gestartet. Ihre Teamkollegen Michael Christensen (Dänemark) und Kévin Estre (Frankreich) wechseln sich bei der Startnummer 92 ab. In der Klasse GTE-Am setzt das Porsche-Kundenteam Dempsey Proton Racing einen 911 RSR des Modelljahres 2015 ein. Die Fahrer sind Porsche Young Professional Matteo Cairoli (Italien) sowie Christian Ried (Schönebürg) und Marvin Dienst (Lampertheim). Für sie stehen in dieser Saison bereits ein dritter Platz in Silverstone und ein zweiter in Spa-Francorchamps zu Buche.

Der Porsche 911 RSR

Seine Rennpremiere feierte der 911 RSR im Januar 2017 beim 24-Stunden-Klassiker in Daytona. Er ist eine komplette Neuentwicklung: Fahrwerk, Karosseriestruktur, Aerodynamikkonzept, Motor und Getriebe wurden bei Porsche Motorsport in Weissach von Grund auf neu konstruiert. Der vor die Hinterachse gerückte Motor leistet je nach Restriktorgröße rund 375 kW (510 PS). Dank des großen Heckdiffusors in Kombination mit dem hängend angebundenen Heckflügel konnten das Abtriebsniveau und die aerodynamische Effizienz signifikant verbessert werden.

Die “Balance of Performance” (BoP)

Die Anpassungsregel „Balance of Performance“ wird in der Klasse GTE-Pro der Sportwagen-Weltmeisterschaft WEC sowie in der Klasse GTLM der IMSA SportsCar Championship angewendet. Sie wurde von der FIA mit dem Ziel eingeführt, die verschiedenen Fahrzeugkonzepte auf dasselbe Performanceniveau zu bringen und dadurch für ausgeglichene und faire Rennen zu sorgen. Es sollte keinen grundsätzlichen Unterschied machen, ob ein Fahrzeug von einem Turbo- oder Saugmotor angetrieben wird, ob der Motor auf der Vorderachse verbaut ist oder vor der Hinterachse.

Auch die aerodynamische Grundform der Fahrzeuge sollte keine rennentscheidende Rolle spielen. Nachdem die FIA zuvor schon eine erste Einstufung vorgenommen hat, werden zur Anpassung der „Balance of Performance“ bei den Rennen über die Telemetrie die Performancedaten der Fahrzeuge erfasst – nicht nur Rundenzeiten, sondern beispielsweise auch Beschleunigungsprofile und Motoreinstellungen. Diese Daten werden automatisch analysiert und fließen in die „Balance of Performance“ ein. Das am häufigsten eingesetzte Mittel zur Anpassung des Performanceniveaus ist die Zu- oder Ausladung von Gewicht. Entscheidend für den Erfolg auf der Rennstrecke soll nach dem Willen der Reglementverantwortlichen nicht mehr das individuelle Potenzial eines Fahrzeugs sein, sondern Faktoren wie etwa die Leistung der Fahrer, die Rennstrategie, ein perfektes Setup oder die Arbeit des Teams bei den Boxenstopps.

Stimmen vor dem Rennen

Dr. Frank-Steffen Walliser, Leiter Motorsport und GT-Fahrzeuge: „Das Rennen auf dem Nürburgring mit seiner großen Langstreckentradition kommt nicht nur bei den Fans hervorragend an. Auch im Porsche GT Team fiebern alle unserem Heimrennen entgegen. Als es vor zwei Jahren zum ersten Mal ausgetragen wurde, feierte Porsche einen überragenden Doppelsieg. Der Eifelkurs ist die Hausstrecke unseres langjährigen Partners Manthey-Racing, der auch in dieser Saison wieder unsere WEC-Einsätze durchführt. Wir hoffen, dass wir diesen Heimvorteil nutzen und uns mit einer starken Performance eine gute Ausgangsposition für die zweite Saisonhälfte mit den Überseerennen sichern können.“

Marco Ujhasi, Gesamtprojektleiter GT Werksmotorsport: „Es sind vor allem zwei Herausforderungen, die uns auf dem Nürburgring erwarten. Erstens: Wie schnell stellt sich das Team nach der langen Pause nach Le Mans auf dieses Rennen ein und wie gut gelingt es uns, die Abläufe weiter zu optimieren. Zweitens: Schaffen wir es, unseren neuen 911 RSR möglichst perfekt auf diese anspruchsvolle Strecke abzustimmen? Dazu kommt, dass man in der Eifel wirklich auf alles vorbereitet sein und sicherstellen muss, für alle Bedingungen die richtigen Reifen zur Verfügung zu haben.“

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