Großer Preis von Brasilien 2014 – Mercedes-Vorschau

6.11.2014. Der 18. Lauf der Formel 1-Saison 2014 findet im Rahmen des Großen Preises von Brasilien auf dem Autódromo José Carlos Pace in São Paulo statt.

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Aussagen der Fahrer / Teamleitung
Lewis Hamilton

Es war ein unglaubliches Gefühl, in den Vereinigten Staaten zu gewinnen. Ich verbringe meine Zeit gerne dort. Es ist fantastisch, wie sich unser Sport dort weiterentwickelt. Die Unterstützung am gesamten Wochenende hat mich absolut umgehauen. Das machte meinen Sieg umso schöner. Sobald ich im Rennen in Führung lag, gab es kein Zurück mehr.

Ich kann noch immer kaum glauben, was ich zuletzt für einen Lauf hatte. Das Team leistet fantastische Arbeit. Jetzt geht es nach Brasilien. Auch diese Strecke ist etwas ganz Besonderes für mich. In der Saison 2008 musste ich dort Fünfter oder besser werden, um den WM-Titel zu gewinnen. Aber bis zur letzten Kurve der letzten Runde war ich Sechster. Ich überholte Timo (Glock) innen und als ich über die Ziellinie fuhr, wusste ich nicht, ob ich es geschafft hatte. Ehrlich gesagt wusste ich danach eine Weile nicht, was los war. Bis das Team mir über Funk mitteilte, dass ich die Weltmeisterschaft gewonnen hatte. Das war eine unglaubliche emotionale Achterbahnfahrt. Ein Moment, den ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen werde. Meine Bilanz in Interlagos ist an sich nicht gerade die beste. Ich habe dort bislang nur einmal im Jahr 2009 auf dem Podium gestanden. Ich hoffe, dass ich das an diesem Wochenende ändern kann.

Nico Rosberg

Ich erlebte ein schwieriges Wochenende in Austin. Das Qualifying verlief fantastisch. Aber ich war natürlich enttäuscht, dass ich die Führung im Rennen und damit weitere Punkte im Titelkampf verloren habe. Letztlich war Lewis an diesem Tag einfach besser. Jetzt liegt es an mir, das Beste aus den letzten beiden Rennen herauszuholen und jede Gelegenheit zu nutzen. Das wird schwierig. Aber ich werde bis zur Zielflagge in Abu Dhabi alles geben. Die erste Möglichkeit dazu erhalte ich an diesem Wochenende beim Großen Preis von Brasilien, einem echten Klassiker im Rennkalender. Das Rennen besitzt eine reichhaltige Geschichte und es gab schon sehr viele großartige brasilianische Fahrer in der Formel 1. Meine Bilanz auf dieser Strecke ist durchwachsen. Aber der Kurs gefällt mir sehr. Das Rennen steckt normalerweise voller Action. Es wäre großartig, wenn ich dort mit einem guten Ergebnis noch einmal Schwung für den WM-Showdown in Abu Dhabi aufnehmen könnte.

Toto Wolff, Mercedes-Benz Motorsportchef

Was war das für eine Woche in Amerika: fantastische Unterstützung von den Rängen, ein großartiges Spektakel auf der Strecke und ein weiteres Spitzenergebnis für die Silberpfeile in einem Schlüsselmarkt für Mercedes-Benz. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich als Kind die dominante Saison von McLaren 1988 verfolgt habe. Damals gewannen sie Rennen für Rennen. Umso mehr erfüllt es mich mit Stolz, dass unser Team diese Bestmarke für Doppelsiege nun in Austin eingestellt hat. Beide Fahrer zeigten eine überragende Leistung. Es war faszinierend, wie ausgeglichen stark sie am Ende einer langen und harten Saison noch sind. Es ist wundervoll, dass jetzt nur noch ein Mercedes Fahrer Weltmeister werden kann. Natürlich sah es schon seit einiger Zeit danach aus. Aber man darf sich niemals sicher sein, bevor es nicht mathematisch abgesichert ist. Selbstverständlich bedeutet dies nicht, dass wir uns nun bis zum Saisonende ausruhen werden. Sollte die Zuverlässigkeit ein Thema werden, könnten die doppelten Punkte beim Finale in Abu Dhabi eine großartige Saison noch überschatten. Unser Augenmerk liegt noch immer zu 100% darauf, sicherzustellen, dass dies nicht passieren wird.

Paddy Lowe, Executive Director (Technical)

In Austin haben wir ein weiteres großartiges Ergebnis eingefahren. Es ist fantastisch, dass wir den Rekord für Doppelsiege in einer Saison einstellen konnten. Amerika ist ein wichtiger Markt für die Formel 1. Aus diesem Grund war es großartig, am gesamten Wochenende die riesige Unterstützung der Fans in Texas zu erleben. Die Menschen kamen aus dem gesamten Land und sorgten für eine echte Karnevalsatmosphäre in der Stadt. Das war wirklich ermutigend, gerade in einem Land, in dem es ein so großes Angebot an Sportarten gibt. Auf der Strecke verlief das Wochenende nicht ganz nach Plan. Während der Trainings mussten wir zunächst verschiedene Probleme in den Griff bekommen. Aber als es darauf ankam, zeigten beide Autos eine starke Performance. Das Lob dafür gebührt dem Team für seine harte Arbeit. Auch die Fahrer waren in einer sehr starken Form. Sie fuhren auf gleichem Niveau und waren im Rennen nur durch einen Hauch voneinander getrennt. Es war spannend, das mit anzusehen. Es ist klar, dass beide Fahrer in großartiger Form sind und einen gesunden Wettkampf genießen. In Brasilien wurde ein Großteil der Strecke neu asphaltiert. Das wird im Verlauf des Wochenendes vor allem mit Blick auf die Performance der Reifen sehr wichtig sein. Die Strecke behält mit der Höhenlage, den starken Höhenunterschieden und der Regenwahrscheinlichkeit einige knifflige Herausforderungen bereit. Die Wettervorhersage sieht für alle drei Tage Gewitter vor! Das wird sicher ein spannendes Wochenende und eine gute Einstimmung auf die Titelentscheidung in Abu Dhabi.Autódromo José Carlos Pace: Inside Line

Lewis

Zu Beginn der Runde geht es ziemlich flach in die erste Kurve, die über wenig Grip verfügt. Die Kurve fällt relativ steil nach unten ab, wobei man sich sehr leicht verbremsen kann. Man muss sicherstellen, dass man relativ eng aus der Kurve herauskommt, damit man die richtige Linie für Kurve zwei und drei erwischt. Die Positionierung ist extrem wichtig, um den Speed durch die beiden Kurven mitnehmen zu können. Denn danach geht es in die erste DRS-Zone. Eine der besten Überholstellen auf der Strecke befindet sich vor Kurve vier.
Man bremst relativ spät – lange nach der 100 m Linie und kurz vor der 50 m Linie – deshalb braucht man maximalen Speed auf dem Weg zur Kurve. Ausgangs der Kurve nimmt man ein wenig den Kerb mit, danach geht es direkt zu Kurve fünf und hinauf zu Kurve sechs. Auch ausgangs dieser Kurve muss man versuchen, so viel Geschwindigkeit wie möglich mitzunehmen. Es geht darum, den Scheitelpunkt richtig zu erwischen. Das Gleiche gilt für Kurve sieben, man fährt mit dem Auto weit hinaus, um den Eingang von Kurve acht zu erwischen.
Wie in Kurve neun ist es hier erforderlich, dass man den gesamten Kerb mitnimmt, um die richtige Linie zu erwischen. Es ist verdammt schwierig, es richtig hinzubekommen. Danach geht es zu Kurve 10, die wenig Grip besitzt und ewig zu dauern scheint. Dort hat man extrem wenig Traktion, trotzdem muss man versuchen, bestmöglich durchzukommen. Danach geht es geradewegs zu Kurve 11, wo das Auto konstant auszubrechen droht.
Das Anbremsen von Kurve 12, der letzten Kurve, ist extrem hart. Es ist sehr einfach, die Kurve zu überfahren, denn die Charakteristik des Mittelsektors ist von vielen Beschleunigungs- und starken Bremsmanövern geprägt. Deshalb sind die Reifen so heiß, dass das Heck hier leicht ausbrechen kann. Man muss versuchen, den Speed zu halten, da es zum Abschluss der Runde den Hügel hinauf zu Start-Ziel geht. Entscheidend ist, dass man das Lenkrad so gerade und gleichmäßig wie möglich hält.
Nico

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Was Interlagos einzigartig macht, ist die Höhenlage. Da die Luft im Vergleich zu den meisten anderen Rennstrecken sehr viel dünner ist, verliert man sehr viel Motorpower und Abtrieb. Das hat natürlich auf viele Dinge Einfluss, zum einen auf die Autos, zum anderen auf die Abläufe – zum Beispiel fällt die Startperformance auf dieser Strecke stets schlechter aus.
Auf dieser Strecke wird gegen den Uhrzeigersinn gefahren, was im aktuellen Kalender recht unüblich ist und vor allem die linke Seite des Nackens beansprucht. Normalerweise wird auf diese Seite nicht so viel Druck ausgeübt. Das spürt man vor allem Richtung Start/Ziel. Denn diese Passage ist keine richtige Gerade, sondern eine kontinuierliche Kurve von Kurve 12 über die Kurven 13 sowie 14 bis zu 15.
Dieser Kurs ist bestens zum Überholen geeignet – speziell auf der Geraden in Richtung Kurve 1, die äußerst knifflig ist. Man muss sie absolut richtig erwischen, um das Überholmanöver zu Ende zu bringen. Hier passiert es sehr leicht, dass das innere Rad blockiert und man den Schwung durch die nächste Kurvenfolge verliert.
Das Wetter kann das Wochenende in Brasilien sehr interessant gestalten. In Kombination mit den Überholmöglichkeiten haben die Fans vor den TV-Geräten, oftmals extrem aufregende Rennen zu sehen bekommen. 

Am Kommandostand

Eine gute Mischung

Interlagos ist eine fordernde Strecke, die stets einige Überraschungen parat hält. In der Vergangenheit fand hier oft das Saisonfinale statt, was zu ungewöhnlichem Verhalten bei den Fahrern führen kann. Normale Vorgänge wie die Einfahrt in die Boxengasse können dann einige Fahrer eiskalt erwischen. Sie kennen natürlich das Reglement, dennoch ist es nicht ungewöhnlich, dass Strafen für wiederholtes Fehlverhalten bei der Boxeneinfahrt ausgesprochen werden. Denn diese ist auf dieser Strecke etwas ungewöhnlich. Aber auch abseits des Cockpits trägt eine Vielzahl an einzigartigen Charakteristiken zur Unvorhersehbarkeit in São Paulo bei. Das Wetter ist sehr variabel. Oft regnet es stark während der Trainings und ist dann am Sonntag komplett trocken. Das hat uns in den vergangenen Jahren einige faszinierende Rennen beschert, in denen sich die Fahrer und Teams schnell an unbekannte Bedingungen gewöhnen mussten. Aufgrund der Höhenunterschiede läuft das Wasser zu bestimmten Zeitpunkten über die Strecke. Das kann dazu führen, dass die Session unterbrochen wird. Die Streckentemperaturen können ebenfalls stark variieren. Sie können bis zu 48 Grad heiß werden, aber auch bis auf niedrige Werte um die 20 Grad fallen. Diese Schwankungen können nicht nur von Jahr zu Jahr auftreten, sondern auch von Tag zu Tag. Dadurch ist es schwierig, die richtige Setuprichtung für jede Session vorherzusagen.

Streckenoberfläche

Die Strecke wurde gerade erst beinahe komplett neu asphaltiert. Das bedeutet eine nicht zu unterschätzende Unbekannte für das Wochenende. Das hat sich bereits in Sotschi gezeigt. Dort verhielten sich die Reifen vor allem während des Rennens ungewöhnlich. Das Ausmaß hängt von der Qualität der Streckenoberfläche ab, wie lange sie schon benutzt wird und welche Materialien verwendet wurden. Ein weiterer Faktor wird sein, wie glatt der Belag ist. Denn dadurch könnten die bisher immer recht starken Bodenwellen ausgeglichen worden sein. Auch das Gripniveau, sowohl zu Beginn des Wochenendes als auch im Verlauf dessen, wird Einfluss darauf haben, wie viele Einstellungen von Run zu Run vorgenommen werden müssen, um mit der Weiterentwicklung der Strecke Schritt zu halten. All diese Fragen müssen so schnell wie möglich beantwortet werden. Dabei könnte es einige Überraschungen geben, ganz besonders mit Blick auf die weichere Reifenwahl mit der weichen und der mittleren Mischung.

Höhenlage

Die Höhenlage der Strecke hat schon seit jeher Einfluss auf die Motorleistung. Elektrische Leistung ist davon jedoch nicht betroffen. Das macht die Hybrid-Elemente der Power Unit umso stärker auf diesem Kurs. Eine Runde ist mit gerade einmal 4,309 km Länge recht kurz. Auch das steigert den Einfluss der elektrischen Leistung. Vor allem im letzten Sektor, dem langen Anstieg in Richtung Start/Ziel, müssen die Fahrer sicherstellen, dass sie ausreichend Hybrid Power aufgehoben haben, um ihre Geschwindigkeit zu optimieren. Wer an diesem Punkt zu wenig elektrische Leistung zur Verfügung hat, ist für einen Angriff eines anderen Fahrers anfällig. Das sollte Runde für Runde zu faszinierenden Zweikämpfen führen, indem sich Autos auf den beiden DRS-Geraden fortwährend gegenseitig überholen.

Überholen

In Brasilien erleben wir häufig eine hohe Anzahl an Überholmanövern – und das nicht immer in Kurven, in denen man es erwarten würde. Die DRS-Zonen vor den Kurven eins und vier sind die offensichtlichsten Überholstellen. Es ist jedoch nicht ungewöhnlich, dass die Fahrer ein mutiges Manöver an einer unerwarteten Stelle probieren. Das wird in diesem Jahr mit Blick auf den frischen Asphalt besonders interessant. Denn jetzt müssen die Fahrer das Gripniveau rund um die Strecke neu herausfinden. In der ersten Kurve kommt es zudem häufig zu Berührungen, ganz besonders auf der ersten Runde. Auch dieser Faktor könnte durch das fehlende Wissen über das Gripniveau gesteigert werden.

Erschöpfung

Nachdem die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft entschieden ist, wird ein Großteil der Teams sich nun auf die Saison 2015 konzentrieren. Dies gilt allerdings nicht für alle. Denn noch ist der Kampf um die Fahrer-WM offen und auch einige interne Teamduelle sind noch nicht entschieden. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass viele Teams zu diesem Zeitpunkt der Saison noch grundlegende Veränderungen vornehmen werden. Gegen Ende eines langen und anstrengenden Jahres wird zunehmend auch die Müdigkeit der Teammitglieder ein Thema. In Brasilien zeigen sich normalerweise die ersten Anzeichen physischer Erschöpfung. Davon sind auch die Fahrer nicht ausgenommen. Es war eine lange Saison, in der zu diesem Zeitpunkt die Weltmeisterschaft und sogar ganze Karrieren auf dem Spiel stehen. Das belastet Körper und Geist noch einmal mehr, als dies nach einem harten Jahr ohnehin schon der Fall ist.

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