Formel 1: Großer Preis von Belgien 2014 – Mercedes-Vorschau

20.8.2014. Der zwölfte Lauf der Formel 1-Saison 2014 findet am kommenden Wochenende beim Großen Preis von Belgien auf dem Circuit de Spa-Francorchamps statt.

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Aussagen der Fahrer / Teamleitung

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Lewis Hamilton

Die Sommerpause bot eine gute Gelegenheit, um mich zu entspannen. Dabei konnte ich auch auf den unglaublichen Saisonbeginn unseres Teams zurückblicken. Nun kann ich es aber kaum erwarten, wieder im Auto zu sitzen und den Titelkampf fortzusetzen. In der ersten Saisonhälfte erlebte ich einige schwierige Wochenenden. Beim letzten Rennen in Budapest hatte ich jedoch Glück, dass ich die Nase meines Autos nicht an der Mauer beschädigt habe. Vielleicht bedeutet dies, dass das Glück im richtigen Moment zu mir zurückgekehrt ist. Es gibt so viele positive Aspekte, die wir aus den ersten elf Rennen mitnehmen können. Aber das Team und ich wollen immer mehr. Wir wissen, dass wir mehr erreichen können. Unser Ziel ist es, die schwierigeren Zeiten der vergangenen Wochenenden hinter uns zu lassen. Ab jetzt wollen wir bei jedem Rennen die besten Momente wiederholen. Ich fahre sehr gerne in Spa. Es gibt nur wenige Orte, wo ich lieber antrete. Ich habe dort 2008 und bei meinem ersten Rennen für das Team auf dieser Strecke im vergangenen Jahr gute Ergebnisse erzielt. Nicht zu vergessen meinen Sieg in der Saison 2010. Ich habe in Spa noch nicht so oft gewonnen, wie ich es gerne hätte, aber dieser Erfolg war ein ganz besonderer für mich. Gerne möchte ich daran anschließen. Das ist mein Ziel für das kommende Wochenende.

Nico Rosberg
Es ist gut, nach der Sommerpause wieder zurück zu sein. Jeder sieht richtig erholt aus und ist bereit für die verbleibenden Monate der Saison. Das letzte Rennen verlief für mich leider nicht nach Wunsch. Ich fuhr bei schwierigen Bedingungen auf die Pole und hatte mir danach mehr erhofft. Dennoch führe ich weiterhin die Weltmeisterschaft an. Das ist eine gute Ausgangslage für die zweite Hälfte des Jahres. Wir haben einen großartigen Saisonstart mit vielen guten Ergebnissen hingelegt. Das zurückliegende Rennen hat jedoch gezeigt, dass die anderen Teams nicht weit weg sind. In der Formel 1 kann man sich keine Fehler leisten. Ich weiß, dass das Team und ich härter denn je daran arbeiten, um uns weiter zu steigern. Nur so können wir unsere Position bis zum Ende behalten. Der Kampf gegen Lewis war die gesamte Saison bislang sehr eng. So wird es wohl bis zum letzten Rennen bleiben. Deshalb wird es auf jeden einzelnen Punkt ankommen. Als nächstes steht der Große Preis von Belgien auf dem Programm. Spa ist eine der spektakulärsten Strecken des Jahres. Der Kurs ist einfach unglaublich. Jeder Fahrer freut sich darauf. Meine Bilanz fällt dort nicht so gut aus wie auf einigen anderen Strecken. Aber ich bin fest entschlossen, das am kommenden Wochenende zu ändern. Das wäre ein passender Start in die zweite Saisonhälfte!
Toto Wolff, Mercedes-Benz Motorsportchef
Die zweiwöchige Pause war nach einem anstrengenden Saisonstart gut für die Formel 1. Wir sehen uns in jedem Jahr einem fordernden Terminplan gegenüber. Aber in dieser Saison kamen noch die Herausforderungen der neuen Regeln hinzu. Sie setzten jeden zusätzlich unter Druck. Nachdem alle ohnehin schon so hart daran gearbeitet hatten, diese komplett neuen Autos für das neue Regelwerk zu bauen. Positiv ist, dass wir bereits eine beeindruckende Darbietung gesehen haben. Das gilt sowohl für die eingesetzten Technologien als auch den spektakulären Rennsport, der auf der Rennstrecke geboten wurde. Mit Blick auf Spa sowie unsere zurückliegenden Leistungen steht eins fest: Das Hauptaugenmerk unseres Teams muss auf der Zuverlässigkeit liegen. Nur dann können wir unseren hart erarbeiteten Vorsprung aus der Anfangsphase dieses Jahres aufrechterhalten. Für die verbleibenden acht Saisonrennen haben wir deshalb ein klares Ziel: Wir wollen noch besser werden als wir es bislang schon waren. Das Team hat bisher fantastische Arbeit geleistet. Dennoch sind wir uns dessen bewusst, dass die Weltmeisterschaft noch lange nicht entschieden ist. Das haben wir anhand der Performance einiger unserer Konkurrenten in Ungarn deutlich gesehen. Wie üblich sehen wir nichts als selbstverständlich an.
Paddy Lowe, Executive Director (Technical)
Spa gehört zu den wahren Traditionsstrecken der Formel 1. Der Kurs besitzt eine lange Geschichte und hat schon viele fantastische Rennen erlebt. Natürlich ist die Eau Rouge das Highlight der Strecke. Es war schon immer eine knifflige Aufgabe, diese Kurve zu meistern. Sie ist wohl die bekannteste Kurve der Welt. Spa ist eine sehr schnelle Strecke, auf der mit wenig Abtrieb gefahren wird. Die Autos werden dort ganz anders abgestimmt als auf den bisherigen Strecken in dieser Saison. Eine Runde ist auch sehr lang. Das kann zusammen mit den wechselhaften Wetterbedingungen, die in Belgien nahezu unvermeidlich erscheinen, zu einem schwierigen Rennen führen. Wenn es zum falschen Moment anfängt zu regnen, gibt es viel Spielraum für Fehler, bis der Fahrer für einen Wechsel auf Regenreifen an die Box kommen kann. Die Herausforderungen sind auf dieser Strecke anders als auf den bisherigen Kursen. Entsprechend sind wir gespannt, wie sich der F1 W05 Hybrid dort schlagen wird. Wir hoffen natürlich auf eine starke Performance. Wenn wir das Setup richtig hinbekommen und das Wetter korrekt lesen, haben wir allen Grund, optimistisch zu sein. Nichtsdestotrotz geben wir uns keinen Illusionen hin: Auch eine Vielzahl anderer Autos wird dort vorne mitfahren. Als Team liegt unsere Priorität darauf, ein problemfreies Wochenende zu erleben. Das haben wir leider seit einigen Rennen nicht geschafft. Gut die Hälfte der Saison liegt nun hinter uns und wir hatten alle die Gelegenheit, unsere Akkus während der Sommerpause wieder aufzuladen. Wir reisen also erholt und voll konzentriert nach Spa, um das Beste aus den verbleibenden acht Rennen herauszuholen.
Circuit de Spa-Francorchamps: Inside Line
Lewis
Spa ist eine unglaubliche Strecke. Man hat stets das Gefühl, auf einem besonderen Weg zu sein – den Berg hinauf in den Wald, dann hinten herum und wieder zurück nach unten. Auf dem Weg zu Kurve eins ist es sehr wichtig, die Räder nicht zu blockieren und nicht zu weit hinausgetragen zu werden. Die Traktion ist am Kurvenausgang meistens recht gering. Man benötigt aber guten Schwung auf der folgenden Geraden. Diese wird mit Vollgas gefahren. Danach geht es durch die spektakuläre Eau Rouge. Diese Kurve kennt jeder! Es ist entscheidend, den Speed durch die gesamte Passage mitzunehmen. Hier kann man viel Zeit gewinnen oder verlieren.
Die lange Gerade in Richtung Kurve fünf ist die beste Überholstelle der Strecke. Die Autos fahren hier mit wenig Abtrieb. Da kann es sich recht knifflig gestalten, aus hohen Geschwindigkeiten herunter zu bremsen. Danach geht es direkt in den zweiten Teil der Schikane in Kurve sechs. Kurve sieben ist eine weitere Kurve, in der es auf eine gute Traktion am Ausgang ankommt. Dann geht es bergab zu Kurve acht – eine wundervolle, lang gezogene Rechtskurve. Hier muss man rechts fahren, um den Speed durch die neunte Kurve mitzunehmen. So kann man früh wieder aufs Gas gehen.
Am Kurveneingang zu Kurve zehn muss man kurz vom Gas gehen. Danach beschleunigt man gleich wieder in Richtung Kurve elf. Es folgt eine kurze Gerade vor Kurve zwölf und dreizehn. Dort ist es wichtig, den Scheitelpunkt im ersten Teil richtig zu erwischen. Denn im zweiten Teil kann das Auto leicht untersteuern. Vor Kurve 14 heißt es, nochmal zu bremsen. Danach geht es mit Vollgas durch die Kurven 15, 16 und 17. In diesem Streckenabschnitt muss man weiche und gerade Lenkbewegungen machen. Nur so kann man verhindern, zu viel Speed zu verlieren.
Die letzte Schikane (Kurven 18 und 19) ist schwierig. Bis zu diesem Punkt ist die Temperatur in den Reifen und Bremsen gefallen. Somit ist es relativ einfach, sich am Kurveneingang zu verbremsen. In dieser engen Rechts-Links-Kombination herrscht sehr wenig Grip. Es ist aber wichtig, diese Passage richtig hinzubekommen. Denn schon ein kleiner Fehler dort kann dich für den Beginn der nächsten Runde ins Hintertreffen bringen. Ganz besonders wenn ein anderes Auto knapp hinter dir liegt.
Nico
Der Circuit de Spa-Francorchamps ist eine fantastische Rennstrecke. Hier spürt man das Besondere an einem Formel 1-Auto. Es gibt viele schnelle, fließende Kurven und Rechts-Links-Kombinationen. Das ergibt eine fantastische und abwechslungsreiche Runde. Es macht wirklich sehr viel Spaß, hier zu fahren. Gleichzeitig ist es eine riesige Herausforderung. Ganz besonders weil das Wetter hier sehr wechselhaft sein kann. Das spielt auch bei unseren Überlegungen vor dem Wochenende eine große Rolle. Das Wetter kann manchmal für jede Menge Chaos sorgen!
Es gibt in Spa so viele schnelle Kurven und es ist schwierig, sie alle richtig hinzubekommen. Das ist aber entscheidend, um hier schnell zu sein. Es gibt auch einige sehr gute Überholmöglichkeiten. Eine der besten ist am Ende der langen Geraden nach der Eau Rouge. Eine weitere ist die letzte Schikane am Ende des schnellen letzten Sektors vor Start/Ziel. Es ist sehr wichtig, den Rhythmus beizubehalten.
Die bekannteste Kurve ist natürlich Eau Rouge. Sie ist eine der spektakulärsten Stellen aller Strecken, auf denen wir fahren. In diesem Jahr besitzen die Autos aufgrund der neuen Regeln viel weniger Abtrieb. Dennoch werden wir hier mit Vollgas durchfahren. Das ist ein unglaubliches Gefühl. Die G-Kräfte in dieser Kurve sind absolut unvorstellbar! Solch hohe Kräfte sind tatsächlich etwas ungewöhnlich. Wir sind laterale Kräfte gewöhnt. Aber nicht mit so einer Intensität und bei solch einer Geschwindigkeit wie bei der vertikalen Kompression, die wir in dieser Kurve erleben. Man wird plötzlich in den Sitz gedrückt und schaut direkt in den Himmel. Man sieht nichts außer blau! Man muss aus dem Gedächtnis fahren, um zu wissen, wie es über dem Hügel weitergeht. Es gilt, zu zielen und zu hoffen, dass man alles richtig macht!
Am Kommandostand
Streckenverlauf
Die Strecke in Spa besitzt einen ganz anderen Charakter als alle anderen Kurse im Rennkalender. Auf dieser Strecke kommt es vor allem auf die Power an. Die High-Speed-Charakteristik des Kurses kommt den Stärken der 2014er Power Unit sehr entgegen. Es gibt einige lange Geraden sowie eine gute Mischung verschiedener Kurventypen. Jeder Sektor stellt unterschiedliche Anforderungen. Das ist ähnlich wie in Barcelona, wenn auch noch ausgeprägter. Der erste Sektor besteht aus vielen Vollgaspassagen. Im zweiten Abschnitt finden sich viele anspruchsvolle, mittelschnelle Kurven. Der letzte Sektor ist eine Mischung aus schnellen Kurven und einer starken Bremszone am Ende der Runde. In jeder Saison wird über den besten Kompromiss diskutiert. Ist es besser, mit weniger Luftwiderstand zu fahren, um damit die Überholchancen auf den Geraden zu erhöhen? Oder sollte man mit einem etwas höherem Abtriebslevel fahren, um eine bessere Kurvenperformance zu haben? Das Qualifying wirft weitere Fragen auf. Denn durch die Nutzung von DRS verliert ein Setup mit weniger Luftwiderstand an Wirkung. Andererseits können dadurch höhere Geschwindigkeiten erreicht werden, bevor das DRS aktiviert wird.
Setup
Wie beim nächsten Rennen in Monza kommen in Spa speziell für dieses Wochenende entwickelte Aerodynamikpakete zum Einsatz. Die Strecke ist mit Blick auf die Optimierung des Autos so einzigartig, dass die Teams extra für dieses Rennwochenende ein spezielles Paket entwerfen. Während dies die größeren Teams nicht unbedingt beeinträchtigt, kann es für die kleineren Rennställe unterschiedliche Auswirkungen haben. Einige entschieden sich vielleicht dazu, keine Ressourcen in ein einziges Rennen zu stecken. Andere wollen möglicherweise genau daraus Kapital schlagen und die spezielle Streckencharakteristik zu ihrem Vorteil nutzen. Dies kann zu interessanten Kämpfen im Mittelfeld führen, die zum Saisonende entscheidend sein könnten. Je nachdem ob ein Team sich richtig entschieden hat.
ERS
Mit Blick auf die Nutzung von ERS stellt Spa eine spannende und nahezu einzigartige Situation dar. Die Regeln schreiben vor, dass ein Fahrer maximal 4MJ pro Runde an die MGU-K abgeben darf. Allerdings sind einige Strecken sieben Kilometer lang, andere nur rund vier Kilometer. Es besteht also ein deutlicher Unterschied in der verfügbaren Leistung pro Kilometer. Der Kurs in Spa ist rund 30% länger als der Durchschnitt. Demnach haben Einschränkungen beim ERS-Einsatz hier einen größeren Einfluss als auf den meisten anderen Strecken, da die Power Unit nicht mit ihrem höchsten Effizienz-Level eingesetzt werden kann.
Reifen
Wie schon bei einigen anderen Strecken in dieser Saison fällt die Reifenwahl für Spa weicher als im Vorjahr aus. Pirelli hat die weiche und die mittlere Reifenmischung ausgewählt. Bei normalen Streckentemperaturen sollten diese Reifen gut funktionieren. Bei kühleren Streckentemperaturen könnte es jedoch anders aussehen. Das Zusammenspiel der weicheren 2014er Mischungen mit der zusätzlichen Leistung der Power Units könnte dazu führen, dass die Rundenzeiten näher an jene von 2013 herankommen als auf anderen Strecken in dieser Saison. Möglicherweise sogar näher als in Bahrain, wo der Unterschied bisher am geringsten war.
Wetter
Einer der Schlüsselfaktoren in Spa ist das Wetter. Deutliche Wetterumschwünge sind hier von Jahr zu Jahr typisch. Im Verlauf eines Wochenendes bleiben die Bedingungen jedoch meistens stabil. Die Wetterfronten ziehen normalerweise über einen längeren Zeitraum vorbei und decken dabei mindestens die drei Renntage ab. Im Verlauf der Jahre gab es beim Großen Preis von Belgien schon die niedrigsten Temperaturen des Jahres als auch Werte im hohen 20er Bereich. Die Unterschiede sind also recht groß. Regen ist ein häufiger Begleiter in Spa. Die Regenwolken bilden sich rund um einen der Berge in der Region und sorgen aus strategischer Sicht für sehr interessante Rennen.
Safety Cars / Überholen
Die Safety Car-Wahrscheinlichkeit hat sich im Verlauf der Jahre deutlich verringert. Verantwortlich dafür ist die Einführung von weitläufigen Auslaufzonen an Schlüsselstellen der Strecke, allem voran in der ersten Kurve. Überholmanöver sind ebenfalls möglich. Es gibt etliche Stellen, an denen verlorene Positionen gutgemacht werden können. Die meisten Manöver gibt es auf der Geraden in Richtung Kurve fünf.
Jubiläen
Mercedes-Benz Geschichte
20. August 1939 – vor 75 Jahren:
Der Große Preis der Schweiz in Bremgarten in der Nähe von Bern endet mit einem Dreifacherfolg für Mercedes-Benz: Es siegt Hermann Lang vor Rudolf Caracciola und Manfred von Brauchitsch. Lang beendet die Saison als erfolgreichster Fahrer.
22. – 23. August 1914 – vor 100 Jahren:
Ralph DePalma gewinnt in Elgin, Illinois/USA die Chicago Automobile Club Trophy und die Elgin National Trophy. Er fährt mit einem 4,5-Liter Grand Prix Mercedes, den er nach dem Dreifachsieg in Lyon im Juli 1914 von DMG erworben hat.
Rennsport-Geschichte
Großer Preis von Belgien 2013 – vor einem Jahr:
Lewis Hamilton erzielt den 275. Podestplatz von Mercedes-Benz in der Formel 1. Es ist sein fünfter in einer beeindruckenden Debütsaison im Silberpfeil.
Großer Preis von Belgien 2001 – vor 13 Jahren:
David Coulthard erzielt den 100. Podestplatz für Mercedes-Benz. Er belegt auf dem Circuit de Spa-Francorchamps Platz zwei.
Großer Preis von Belgien 1955 – vor 59 Jahren:
Sir Stirling Moss erzielt auf der 14km langen Strecke in Spa-Francorchamps den zehnten Podestplatz für einen Silberpfeil in der Formel 1.